08.08.2018 Salzburger Nachrichten. Das Böse und der Sex. Zwei der erfolgreichsten Fernsehserien der Geschichte feiern Jubiläum: “Sex and the City” und “Breaking Bad” haben die TV-Welt geprägt. Marcus S. Kleiner im Gespräch mit Ralf Hillebrand

Quelle: Salzburger Nachrichten

Auszug aus dem Interview:

“Wie können zwei Serien, die 2004 („Sex and the City“) bzw. 2013 („Breaking Bad“) ausgelaufen sind, immer noch derart nachwirken? Der Erfolg beider Produktionen hätte beinahe gegensätzliche Hintergründe, erläutert Marcus Kleiner. „,Sex and the City’ lädt geradezu zur Identifikation ein“, sagt der Medienwissenschafter an der SRH Hochschule der populären Künste in Berlin. Die Hauptdarstellerinnen seien keine abgehobenen Supermodels gewesen, hätten aber dennoch das für viele begehrenswerte Leben der New Yorker In-Girls verkörpert. Parallel seien die Rollen freilich bewusst unterschiedlich gestrickt worden, so dass schier jede Frau irgendeinen Bezug herstellen konnte.

„Breaking Bad“-Hauptfigur Walter White sei hingegen ein Anti-Held, der – desto mehr er in den Drogensumpf kippt – immer unsympathischer wird. Parallel habe er nicht die starke, beinahe erotische Ausstrahlung, die Verbrecher in Hollywood-Filmen oft haben – etwa Al Pacino in „Scarface“. „Die Entwicklung dieser wandlungsfähigen Figur, die Gefallen daran findet ein herausragender Drogenkoch zu sein, macht den Reiz aus.“ Die Serie sei „eine Art Studie des Bösen“, die zudem großartig gemacht sei. Sie setze auf wechselnde Farbgestaltung – und habe den Mut, Stille auszusitzen. „Für mich ist ,Breaking Bad’ einer der großen audiovisuellen Romane der Gegenwart“, ergänzt Kleiner.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen will der Experte für Populärkultur aber nicht überbewertet wissen. „Sex and the City“ habe eine Gruppe von toughen Frauen gezeigt, die sich nicht von Männer bestimmen ließen. „Aber es gibt keine valide Studie, die belegt, dass dies das Frauenbild wirklich nachhaltig verändert hat.“ Gewisse Auswirkungen auf die Modewelt seien hingegen nicht wegzudiskutieren – allein durch das Vorbild Sarah Jessica Parker. „Das hat es etwa schon bei ,Miami Vice’ gegeben. Die Slim-Fit-Anzüge der Serie sind ja heute noch in Mode.“

Seit dem Ende beider Serien gibt es immer wieder Gerüchte, die Produktionen neu beleben zu wollen. Von „Sex and the City“ folgten auch zwei Kinofilme, die Pläne für einen dritten wurden Ende 2017 auf Eis gelegt – angeblich wegen Streitigkeiten unter den Darstellerinnen. Die Serien an sich neu aufzufädeln macht für Kleiner keinen Sinn: „Die Inhalte haben in ihrer Zeit gut funktioniert. Und dabei sollte man es auch belassen.“

Quelle: Salzburger Nachrichten