Salzburger Nachrichten – Vom Pabst bis zum Punk: Alles geht in Serie.
Marcus S. Kleiner im Gespräch mit Martin Behr.
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Salzburger Nachrichten – Vom Pabst bis zum Punk: Alles geht in Serie.

Salzburger Nachrichten – Vom Pabst bis zum Punk: Alles geht in Serie.

Marcus S. Kleiner im Gespräch mit Martin Behr.

Quelle: Salzburger Nachrichten

Zitate aus dem Interview (Auswahl)

Egal ob Pop, Politik, Kirche, Wirtschaft, Sexualität: ,Jedes The- ma, das unseren Lebensalltag spiegelt, ist serientauglich', sagt der Kommunikations- und Medienwissenschafter Marcus S. Kleiner von der SRH Berlin University of Applied Sciences. Und: ,Streaming ist das Leitmedium der Gegenwart, der Trend wird mit Sicherheit noch sehr lange anhalten.'
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Kann, soll wirklich alles in Serie gehen? ,Jedes Thema, das berührt, herausfordert und unterhält, kann Stoff für eine Serie
werden, da gibt es kein Limit', betont Kleiner. Einschränkung: Kulturkritische, kunstorientierte Serien wie etwa die Amazon-Produktion „Too Old to Die Young“ seien zu abstrakt, zu intellektuell und zu fordernd und würden deshalb nicht im Mainstream Erfolg haben.
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Etliche Serienstoffe würden die Angstlust bedienen: ,Ob Zombies oder Pandemie: Jeder hat Angst, aber man kann die Serie genüsslich vom Sofa aus betrachten.' Stichwort Pandemie: Marcus S. Kleiner wartet schon auf die erste Coronaserie. ,Das ist das große Thema unserer Zeit und Pandemieserien gab es auf Netflix ja schon, bevor das Coronabewusstsein in der Welt war.' Was in ,QAnon-Zeiten' auch Konjunktur habe, seien zeitlose Themen und Serien wie ,House of Cards': ,Hier geht es um das Vorurteil, wonach alle Politiker korrupt sind.' Dass auch ältere Stoffe via Serie neu aufgewärmt werden – dem- nächst startet auf Amazon ,Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' –, ist für den Experten für populäre Medienkulturen keine Überraschung: ,Das hat Methode: Was einmal schon erfolgreich war, hat gute Chancen, wieder erfolgreich zu werden.' Die Remake-Kultur, also der Transfer von Bestehendem in eine zeitgemäße Ästhetik, ist laut Kleiner ein „relativ sicheres Geschäft'. Besonders dann, wenn – wie im Fall von ,Bahnhof Zoo' – die Themen Drogen, Sexualität und Berlin eine Rolle spielen. Retrowellen seien vor allem dann erfolgreich, wenn sie auf eine ,unmittelbar erinnerbare Zeit' verweisen. Bestes Beispiel dafür ist die Serie ,Stranger Things', die mit nostalgischen Gefühlen an die 1980er-Jahre erinnert. ,Die 1950er- Jahre sind von den Themen her vergleichsweise schwieriger zu recyceln', sagt Kleiner, der Autor des Buchs „Streamland – Wie Netflix, Amazon Prime & Co. unsere Demokratie bedrohen“ (Droemer) ist.
Ob der Serienkult gemeinsam mit Corona dem Fernsehen den Todesstoß versetzen wird? ,Das Kino wird als Institution bestehen bleiben, aber es wird – ebenso wie das Fernsehen – vom Streaming her- ausgefordert werden und sich neu denken und erfinden müssen.' Anders als im Kino sei das Publikum beim Streaming von einem sich steigernden ,digitalen Überwachungskapitalismus' bedroht, sagt Kleiner und spricht von der ,Komplettvermessung von Bewegtbildkonsum'. Warum diese von den Menschen großteils akzeptiert werde? ,Bequemlichkeit', antwortet Kleiner, viele denken sich: ,Die sind meine Freunde, die wissen, was für mich gut ist.‘ Man wolle es nicht für möglich halten, dass Streaming die Freiheit bedrohe.``