Süddeutsche Zeitung. Das Phänomen Capital Bra.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Marcus S. Kleiner im Gespräch mit Julia Giertz und Wolfgang Jung.
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Süddeutsche Zeitung. Das Phänomen Capital Bra.

Süddeutsche Zeitung. Das Phänomen Capital Bra.

Marcus S. Kleiner im Gespräch mit Julia Giertz und Wolfgang Jung.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

``Der in Sibirien geborene und in der Ukraine aufgewachsene Capital Bra steht für viele stellvertretend für den einst provokanten Straßenrap, der den Weg aus prekären Plattenbauten in noble Vorstadtvillen gefunden hat. Die Musikform sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Marcus Kleiner, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der SRH Hochschule der populären Künste Berlin. Fans seien vor allem 12- bis 25-Jährige.
(...)
,Bra' steht für ,Brat', das russische Wort für Bruder. ,Brat' heißt auch ein russischer Kultfilm über einen Außenseiter. Der Rapper, der aus der Kälte kam, zog mit sieben Jahren mit seiner Mutter nach Berlin-Hohenschönhausen und wurde durch die Veranstaltung ,Rap am Mittwoch' bekannt. Der Vergleich mit Abba und den Beatles hinkt indes - im digitalen Zeitalter entstehen Hitparaden ganz anders als damals.
Der Reiz bestehe darin, dass Capital Bra aus seiner kleinkriminellen Vergangenheit und anderen kontroversen Themen aus seinem Leben kein Hehl mache und die Entwicklung vom ,Bordstein zur Skyline' möglichst authentisch zu inszenieren versuche, sagt Experte Kleiner. Seinen heranwachsenden Fans vermittele der Musiker die Botschaft: ,Jeder kann es schaffen.' Und: ,Bleib Dir treu.' Damit erreiche er das für die Jugend wichtige ,Empowerment' (etwa: Selbstbestimmung).
Capital Bra schildere in seinen Songs zwar Gewalterfahrung, rufe aber nicht zur Gewalt auf, sagt Kleiner der Deutschen Presse-Agentur. Rap sei schon lange in der Mittelschicht nicht mehr verpönt. ,Dort wird er als eine Art Verwilderungsunterhaltung konsumiert - ähnlich dem Stellvertretererlebnis beim Schauen von Thrillern oder Horrorfilmen.'
Capital Bra habe kein neues Genre geschaffen, sondern sich an ein erfolgreiches Genre erfolgreich angeschlossen, betont Kleiner. Der Musiker vereine auf eine für Fans attraktive Weise Wortspiele sowie den ungefilterten Ausdruck von Gefühlen und Gedanken und dynamischem Beat, meint der 45-jährige Wissenschaftler. ,Er hat einen ganz guten Flow.' In der renommierten Popakademie in Mannheim ist Rap längst Unterrichtsstoff. Manche sehen den Sprechgesang selbst schon als Pop.``

Weitere Interviews u.a. in: Stern, Welt, Zeit, Frankfurter Rundschau, Focus